Balkonkraftwerk Teil 1: Solaranlage für den Eigenbau

Balkonkraftwerk

Waren große Solaranlagen bisher ausschließlich eine Domäne derer, die ein eigenes Dach besitzen, so gewinnen in Zeiten steigender Strompreise kleine Photovoltaikanlagen zunehmend an Beliebtheit. Und zwar bei Wohnungsbesitzern und gleichermaßen bei Mietern. Die Rede ist von sogenannten Balkonkraftwerken, also einem Solarmodul (oder zwei oder vier) für Balkon oder Terrasse. Diese Artikelserie erklärt, worum es sich dabei handelt und wie jedermann mit geeignetem Aufstellstandort eigenen Strom erzeugen und seine Stromrechnung senken kann.

Ich möchte ausdrücklich darauf hinweisen, dass Arbeiten am 230V-Stromnetz potentiell lebensgefährlich sind. Wer keine elektrotechnische Ausbildung hat, sollte solche Tätigkeiten dringend einem Elektriker überlassen.

Diese Artikelserie gliedert sich in mehrere Teile:

  • Teil 1 (dieser Artikel) klärt erst einmal den Begriff „Balkonkraftwerk“ und wie man damit seine Stromkosten senken kann. Dann geht es um Materialkosten, Voraussetzungen und Rahmenbedingungen, also eher die administrativen Dinge.
  • Teil 2 befasst sich dann mit den Hardwarekomponenten und der Installation eines Balkonkraftwerks.
  • Teil 3 ist der Planungsartikel für ein eigenes Balkonkraftwerk.
  • Teil 4 widmet sich ausführlich der Verträglichkeit von Solarmodulen mit Wechselrichtern.
  • Teil 5 ist schließlich ein Nachschlagewerk für Grundlagen der Elektrotechnik, so weit sie für Balkonkraftwerke erforderlich sind.
  • Teil 6 behandelt das Monitoring, also die Anzeige von erzeugter Leistung und Energie.
  • Teil 7 zeigt, wie man die Waschmaschine in Abhängigkeit von der Solarstromerzeugung automatisch einschalten kann.
  • Teil 8 beschäftigt sich ausführlich mit OpenDTU und AhoyDTU.
  • Teil 9 klärt auf über den Export von Daten per MQTT und Rest-API in andere Systeme.
  • Teil 10 stellt Home Assistant vor und bindet Shellies und AhoyDTU ein.
  • Teil 11 zeigt eine Visualisierung über ioBroker und Grafana.
  • Teil 12 erklärt Sinn und Funktionsweise des Maximum Power Point Trackers MPPT.
  • Teil 13 geht ins Detail mit Parallel- und Reihenschaltung von Solarmodulen.
  • Teil 14 behandelt das Thema Verschattung.
  • Teil 15 widmet sich dem Thema Ost-West-Ausrichtung, dazu gehören auch die folgenden drei Artikel:
  • Teil 16 klärt technisch ob Ost-West-Module besser parallel oder in Reihe geschaltet werden,
  • Teil 17 berechnet ob sich eine Ost-West-Ausrichtung lohnt und
  • Teil 18 ist eine Anleitung für alle, die ihre Module unterschiedlich ausrichten wollen.
  • Teil 19 führt ein in das Thema BKW mit Speicher.
  • Teil 20 beschreibt die Rechengrundlagen für die Berechnung von Speichern.
  • Teil 21 ermittelt die optimale Speichergröße für ein Balkonkraftwerk.
  • Teil 22 behandelt das Thema Rentabilität für BKWe mit Speicher.
  • Teil 23 fasst alle Speicheraspekte in einer Anleitung zusammen.

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Was ist eigentlich ein Balkonkraftwerk?

Ein Balkonkraftwerk muss sich nicht zwangsweise auf einem Balkon befinden und nicht jede Solaranlage auf einem Balkon ist auch ein Balkonkraftwerk. Worüber genau sprechen wir hier also?

Der Begriff „Balkonkraftwerk“ ist eigentlich Umgangssprache, weder das Erneuerbare-Energien-Gesetz noch der VDE sprechen von Balkonkraftwerken. Trotzdem kann man ein paar Bedingungen festmachen, die alle Balkonkraftwerke gemeinsam haben:

Was ist nun ein BKW?

  • Ein BKW besteht aus Solarmodulen, einem Wechselrichter, manchmal auch einem Speicher und speist seine Solarenergie in das Wohnungsnetz des Betreibers ein.
  • Die Leistung (laut Typenschild) des Wechselrichters oder mehrerer Wechselrichter ist auf in Summe 800VA (Voltampere) begrenzt.
  • Wechselrichter brauchen in Deutschland eine Zulassung und die entsprechenden Zertifikate.
  • Balkonkraftwerke sollen vom Betreiber selbst installiert werden können.
  • Balkonkraftwerke müssen angemeldet werden.

Und was ist dann kein BKW?

Nur um Missverständnisse zu vermeiden, hier eine kurze Abgrenzung zu anderen Photovoltaikanlagen, über die wir in dieser Artikelreihe nicht sprechen, da sie nicht zu den Balkonkraftwerken zählen:

  • Solaranlagen (auch auf Balkonen) deren Wechselrichter mehr als 800VA abgeben kann.
  • Große Dach- oder Freiflächen-Solaranlagen
  • mobile Solaranlagen zum Beispiel in Wohnmobilen (brauchen keine Anmeldung)
  • Inselsolaranlagen ohne Verbindung zum öffentlichen Stromnetz (brauchen keine Anmeldung)

Wie verdient (spart) ein BKW Geld?

Der Vorteil eines Balkonkraftwerks liegt darin, dass es kostengünstig Energie erzeugt und der Betreiber dadurch weniger elektrische Energie vom Versorger kaufen muss. Dazu ist es erforderlich, dass die Energie auch dann zeitgleich verbraucht wird, wenn die Sonne scheint. Oder man legt sich einen Speicher zu, um auch nachts vom selbst erzeugten Strom profitieren zu können.

Für Balkonkraftwerke gibt es auch die optionale Möglichkeit einer Vergütung für den ins öffentliche Netz eingespeisten Strom zu bekommen. Aufgrund der geringen Leistung sind das aber nur sehr kleine Beträge.

Was kostet ein Balkonkraftwerk?

Nachfolgende Zahlen sind ungefähre Preise Mitte 2026. Sie berücksichtigen, dass seit Anfang 2023 die Mehrwertsteuer auf Solarprodukte auf null Prozent gesenkt wurde.

  • Wechselrichter: ca. 100 EUR
  • Anschlusskabel WR an 230V: 20-30 EUR
  • Solarmodul 450Wp: 60 EUR
  • Befestigung oder Aufständerung für ein Modul: 40 – 80 EUR

Ein 800W Balkonkraftwerk mit 2 Modulen kann man also bereits unter 300 EUR bekommen und sollte sich spätestens in 4 – 5 Jahren amortisiert haben. Bei weiter steigenden Strompreisen eher früher. Ebenso, wenn man eine Förderung in Anspruch nehmen kann.

Rechtlicher Rahmen

Bisher haben wir nur ganz allgemein von Balkonkraftwerken gesprochen, jetzt schauen wir uns an, welche verschiedenen Modelle Gesetzgeber und Normierungsgremium (VDE) vorsehen. Und damit wird es leider etwas kompliziert, denn es gibt drei verschiedene Arten von Balkonkraftwerken, nämlich folgende:

Das zertifiziertes Steckersolarpaket nach der Produktnorm VDE V 0126-95

Das sind fertig zusammengestellte Sets aus einem 800VA-Wechselrichter, zumeist zwei Solarmodulen mit zusammen nicht mehr als 960Wp Leistung und den nötigen Kabeln. Ein Speicher ist hier nicht enthalten und es gibt keine Einspeisevergütung. Vorteile einer solchen Anlage sind, dass der Hersteller für die Abstimmung und Sicherheit der Komponenten garantiert, dass eine Schuko-Steckdose verwendet werden darf und dass die Anlage vereinfacht (nur im Marktstammdatenregister) angemeldet wird. Per März 2026 gibt es solche zertifizierten Sets allerdings noch nicht zu kaufen, aber das wird sich ändern.

Das Steckersolargerät entsprechend dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) §8 Abs. 5a

Hier handelt es sich um Sets oder Einzelkomponenten, die sich auch der Betreiber selber zusammenstellen kann mit folgenden Rahmenbedingungen: Wechselrichter bis maximal 800VA (es können auch mehrere Wechselrichter sein, aber dann in Summe nicht mehr als 800VA. Maximal 2000Wp Solarmodulleistung, kein Speicher, keine Einspeisevergütung. Ein solches System kann vereinfacht im Marktstammdatenregister registriert werden, es brauch keine Anmeldung beim Netzbetreiber. Die Verwendung einer Schukosteckdose ist nicht zulässig, die Netzverbindung muss über über eine spezielle Einspeisesteckdose (Wieland-Steckdose) ausgeführt werden oder als Festanschluss.

Die Kleinsterzeugungsanlage nach VDE AR-N 4105

Für Kleinsterzeugungsanlagen gibt es keine vereinfachte Anmeldung, sie müssen sowohl im Marktstammdatenregister registriert, als auch beim betreffenden Netzbetreiber angemeldet werden. Das kann aber der Betreiber selber machen, es braucht für die Anmeldung keinen Elektriker, (im Unterschied zu großen PV-Anlagen). Steckersolargeräte (wie oben) fallen dann in die Klasse der Kleinsterzeugungsanlagen, wenn eine (oder mehrere) der folgenden Bedingungen zutrifft:

  • Es sollen mehr als 2000Wp Modulleistung installiert werden.
  • Es kommt ein DC-Speicher dazu.
  • Der Betreiber wünscht eine Einspeisevergütung.

Mehr als 800VA Wechselrichterleistung ist aber auch hier nicht möglich. Zur Größe des Speichers und zur Anzahl und Leistung der Solarmodule macht die VDE AR-N 4105 keine Vorgaben. Beachten sollte man allerdings, dass man ab 7kWp installierte Modulleistung ein Smart Meter Gateway (SMGW) braucht und dass der Wechselrichter für den Netzbetreiber steuerbar sein muss, wobei es steuerbare Wechselrichter in der 800VA-Klasse gar nicht gibt. Also kann man realistischerweise bis zu 6999Wp Modulleistung als Kleinsterzeugungsanlage anmelden und einen unbegrenzt großen Speicher.

Anmeldung eines Balkonkraftwerks

Als nächstes schauen wir uns an, wo und wie man die verschiedenen Balkonkraftwerke anmeldet.

Eine erste Erleichterung hat hier 2024 der modifizierte Paragraph 8 im EEG gebracht, denn damit wurde eine vereinfachte Anmeldung für Steckersolargeräte eingeführt, die der Betreiber (ohne Elektriker) selbst erledigen konnte und immer noch kann. Allerdings wurde im Gesetz die Modulleistung auf 2000Wp begrenzt, eine Einspeisevergütung ausgeschlossen und Speicher waren überhaupt nicht enthalten und somit auch nicht vereinfacht anmeldbar.

Mit der neuen VDE AR-N 4105 gibt es aber seit dem 01.03.2026 die Möglichkeit, Speicher anzumelden, mehr als 2000Wp Solarmodule zu installieren und selbst eine Einspeisevergütung ist möglich. Allerdings zu dem Preis einer doppelten Anmeldung im Marktstammdatenregister und beim Netzbetreiber. Das folgende Schaubild bietet nun eine Übersicht, welches BKW jetzt wie angemeldet werden muss:

Anmeldung eines Balkonkraftwerks

Dazu ein paar Bemerkungen:

  • Größere Wechselrichter (1600VA oder 2000VA) haben sich in der Vergangenheit einer gewissen Beliebtheit erfreut, weil sie im Gegensatz zu den 800VA Wechselrichtern über vier MPPTs verfügen. Solche Wechselrichter selber zu drosseln und mit 800VA vereinfacht anzumelden, war bisher eine Grauzone und ist nun nicht mehr zulässig. Bei der Registrierung im Marktstammdatenregister wird man deutlich darauf hingewiesen, dass die Leistung laut Typenschild anzugeben ist. Auch das EEG spricht von „installierter Leistung“ und die VDE AR-N 4105 von Erzeugungsleistung im Gegensatz zur Einspeiseleistung. Wechselrichter größer als 800VA sind also als Balkonkraftwerk nicht anmeldbar, nur als PV-Anlage durch einen Elektriker. Das gilt analog für Speicher.
  • AC-Speicher als Ergänzung zu einem BKW stellen ein Problem bei der Anmeldung dar. Denn die VDE AR-N 4105 legt ganz klar fest, dass es in Summe nur maximal 800VA Erzeugungsleistung geben darf. Anmeldbar wären also folglich nur ein Wechselrichter mit 400VA plus einem AC-Speicher mit ebenfalls 400VA. Das dürfte wohl auch für die Variante gelten, bei der der Wechselrichter in eine Schukosteckdose am Speicher gesteckt wird. Der könnte vom Nutzer ja einfach in eine Netzsteckdose umgesteckt werden mit der Folge von 1600VA Erzeugungsleistung.
  • Schukosteckdosen sind für Speichergeräte nicht zulässig und auch nicht für Steckersolargeräte, die nicht der Produktnorm VDE V 0126-95 mit max 960Wp entsprechen. Diese Geräte müssen nach VDE V 0100-551-1 angeschlossen werden, also per Direktanschluss oder über eine spezielle Energiesteckvorrichtung.

Registrierung im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur

Die Eintragung passiert online in drei Schritten über die Website des Marktstammdatenregisters:

  1. Anlegen eines Benutzerkontos und eines MaStR-Zugangs
  2. Registrierung einer Person oder eines Unternehmens als Anlagenbetreiber
  3. Registrierung einer Stromerzeugungsanlage

Als Hilfestellung gibt es eine Videoanleitung, in dem die Schritte ausführlich erklärt werden.

Anmeldung beim Netzbetreiber

Die Anmeldung beim jeweiligen Netzbetreiber wurde mit der VDE AR-N 4105 deutlich vereinfacht. Es gibt jetzt ein einheitliches Formular mit der Bezeichnung F1.2, das für Balkonkraftwerke (und Speicher) im Sinne einer Kleinsterzeugungsanlage verwendet wird.

Genehmigung durch Vermieter oder Eigentümergemeinschaft

Nicht jeder genießt den Luxus, im eigenen Häuschen zu wohnen und tun und lassen zu können, was ihm beliebt. Eigentümer in einem Mehrfamilienhaus und Mieter haben solche Freiheiten nur sehr eingeschränkt, speziell wenn es um die Außenbereiche des Hauses geht.

Im Oktober 2024 hat der Gesetzgeber durch Gesetzesänderungen im Miet- und Wohnungseigentumsrecht die rechtliche Position von Mietern und Teileigentümern gestärkt, in dem er dem Balkonkraftwerk den Status einer privilegierten Maßnahme zugeteilt hat. Damit haben sowohl Mieter als auch Wohnungseigentümer in einem Mehrfamilienhaus ein Anrecht auf die Genehmigung eines Balkonkraftwerks durch Vermieter bzw. Eigentümergemeinschaft.

Für Mieter ergibt sich dieses Recht aus §554 BGB, für Wohnungseigentümer aus §20 WEG.

Stromzähler

Selbst wenn für ein Balkonkraftwerk keine Einspeisevergütung bezahlt wird, so speisen diese Anlagen in der Regel doch ins öffentliche Stromnetz ein. Damit kommt auch der verbaute Wechselstromzähler ins Spiel. Ist das noch ein alter schwarzer mit Drehrad und ohne Rücklaufsperre, so würde der bei Einspeisung rückwärts drehen, die Verbrauchszählung verringern und so dem Stromkunden einen Vorteil verschaffen, der ihm nicht zusteht. Damit wäre man früher schnell mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Seit dem 16.05.2024 gilt, dass ein Balkonkraftwerk sofort mit der Anmeldung betrieben werden darf, egal welcher Zähler verbaut ist. Es ist Sache des Netzbetreibers, sich um einen Austausch des Zählers zu kümmern. Bis das geschehen ist, ist übergangsweise auch der Betrieb an einem rückwärts drehenden Zähler zulässig.

Förderung

Es gibt aber auch etwas erfreuliches, immer mehr Kommunen und Bundesländer fördern den Aufbau eines Balkonkraftwerks finanziell. Die Stadt München zum Beispiel zahlt einmalig 40 Cent je Wp Modulleistung bis maximal 800Wp, was immerhin 320 Euro wären – jedoch maximal die halben Anschaffungskosten. Es lohnt sich also in jedem Fall, sich in der eigenen Gemeinde nach Fördertöpfen umzuhören. Wichtig bei öffentlicher Förderung: Immer zuerst die Förderung beantragen und erst nach Eingang der Förderzusage die Hardware kaufen und/oder einen Elektriker beauftragen.

Darüber hinaus fördert der Bund Balkonkraftwerke seit 2024 in dem die Mehrwertsteuer für Solarprodukte auf 0% gesenkt wurde.

Fragen und Antworten

Zum Schluss dieses Artikels noch einige Antworten auf gern gestellte Fragen zum Thema:

Woher weiß ein Gerät, dass es Solarstrom verbrauchen soll und keinen Netzstrom?

In der Tat weiß eine Glühbirne nicht, welchen Strom sie gerade verbraucht, noch hat sie eine Entscheidungsfreiheit, welchen Strom sie gerne hätte. Dass bei Sonnenschein vorrangig der eigene Solarstrom verbraucht wird, bevor aus dem Netz nachversorgt wird, das regelt der Wechselrichter. Er misst die Spannung, die aus dem Netz kommt und wenn er selber genug elektrische Leistung von den Solarmodulen bekommt, dann wird er seine eigene Einspeisespannung etwas höher einstellen, als die Netzspannung. Die elektrische Leistung aus dem Netz wird quasi durch die höhere Spannung vom Wechselrichter verdrängt. Das funktioniert aber nur auf der Phase, auf der der Wechselrichter einspeist. Eine sehr gute Erklärung mit einleuchtender Analogie zum Wasserfluss gibt es bei energiewende-tipps.de.

Müssen Wechselrichter und Verbraucher, die den Solarstrom nutzen wollen, auf der selben Phase liegen?

Rein technisch ist das in der Tat so. Strom kann nicht einfach von einer Phase zur andern springen, das sind ja getrennte Leitungen. Also kann der selbst erzeugte Solarstrom nur die Verbraucher erreichen, die auch auf seiner Phase liegen.
Was aber die Abrechnung und die Energiebilanz angeht, so schaut es anders aus. Alle Drehstromzähler saldieren die Leistungen zwischen den drei Phasen. Das bedeutet, wenn auf Phase 1 das BKW kräftig Strom erzeugt, dort aber kein Verbraucher läuft und dagegen auf Phase 2 gleichzeitig viel Strom verbraucht wird, dann verrechnet der Zähler die Phasen miteinander. Es spielt also keine Rolle, was auf welcher Phase angeschlossen ist.

Kann ich meinen Solarstrom, den ich mittags einspeise, in der Nacht nutzen?

Nein das geht nicht. Die Solarenergie muss zeitgleich mit der Erzeugung auch in der Wohnung verbraucht werden. Der Teil, der nicht verbraucht wird, geht (mit oder) ohne Vergütung ins öffentliche Netz. Und Strom, der nachts, oder wenn das BKW nicht liefert, gebraucht wird, muss zum vertraglich vereinbarten Preis vom Energieversorger bezogen werden.
Eine Nachtnutzung der eigenen Solarenergie ist nur mit einem eigenen Batteriespeicher möglich. Diese Geräte erfreuen sich durch fallende Preise zunehmender Beliebtheit.

Was kann ich tun, um möglichst wenig Solarstrom zu verschenken?

Maßnahme 1 wäre es, bereits bei der Planung des eigenen BKWs den ständigen Grundbedarf zu ermitteln. Das ist die elektrische Leistung, die ständig benötigt wird (für Router, Standby-Geräte und Kühlschrank zum Beispiel). Dann kann man ggf. eine kleinere und damit günstigere Anlage mit vielleicht nur 300W Leistung installieren.
Maßnahme 2 wäre die Ausrichtung der Module entsprechend dem tageszeitlichen Bedarf. Möglicherweise kann bei Ost-West-Ausrichtung der Module mehr Solarstrom selbst genutzt werden, als bei reiner Südausrichtung. Zum Themenblock Ost-West-Ausrichtung gibt es vier weitere Artikel in dieser Serie.
Maßnahme 3 wäre die Verlagerung von Verbrauch möglichst in die Sonnenstunden. Also die Geschirrspülmaschine dann einschalten, wenn die Sonne scheint. Manches lässt sich möglicherweise auch automatisiert schalten, durch intelligente Steckdosen zum Beispiel.

Maßnahme 4 ist die Nutzung eines Speichersystems. Zum Themenkomplex Speicher gibt es fünf zusätzliche Artikel in dieser Serie.

Kann ich beim Schukostecker einen Stromschlag bekommen, wenn ich ihn aus der Dose ziehe?

Der Schukostecker hat zwar blanke Kontakte, die nicht vor Berührung geschützt sind. Passieren kann aber trotzdem nichts, weil der Wechselrichter erkennt, wenn der Stecker gezogen wird und die Leitung sofort spannungsfrei schaltet. Der Wechselrichter speist nur dann ins Wohnungsnetz ein, wenn er Netzstrom von Seiten des Energieversorgers erkennt.

Habe ich mit einem BKW auch Strom bei einem Blackout im öffentlichen Netz?

Nein leider nicht, ein Balkonkraftwerk braucht immer das öffentliche Netz um selber Strom zu erzeugen. Fällt das öffentliche Netz aus, fällt ebenso das BKW aus. Lediglich manche Speichersysteme für Balkonkraftwerke bieten separate Notstromsteckdosen.

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Bei der ersten Inbetriebnahme des BKWs bleibt das Lämpchen am Wechselrichter aus und im WLAN ist der WR offline?

Dann ist es möglicherweise bereits zu dunkel, speziell im Winter. Die BKW-Wechselrichter sind so ausgelegt, dass sie möglichst wenig Energie verbrauchen, wenn keine Sonne scheint (der Hoymiles nur 50mW). Deshalb wird ohne ein Mindestmaß an Sonneneinstrahlung vom Wechselrichter alles abgeschaltet, also Funk- oder WLAN-Verbindung und die LED-Anzeige. Also bis zum nächsten Morgen warten, dann erledigt sich das Problem meist von alleine.

Wenn das die Ursache nicht sein kann, dann alle Steckverbindungen prüfen, DC- und AC-seitig!

Geht der Wechselrichter kaputt, wenn die Solarmodule in Summe mehr Leistung (Watt) bringen können, als beim Wechselrichter angegeben ist?

Nein, da passiert nichts. Wichtig ist allein, dass die Spannung der Module niemals (auch nicht im Winter) die zulässige Eingangsspannung des Wechselrichters überschreitet. So lange das gewährleistet ist, dürfen die Module durchaus in der Lage sein, unbegrenzt mehr Strom zu liefern und damit auch mehr Leistung. Ein guter Wechselrichter zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass der sich selbst schützt. So wird er bei zu hoher Spannung einfach abschalten und andererseits den Strom so begrenzen, dass er ihm nicht schädlich wird. Mehr dazu auch in Teil 4 dieser Artikelserie.

Weitere Artikel in dieser Kategorie:

Dazu empfehle ich die sehr umfangreiche Wissenssammlung zu Mini-Solaranlagen von David von Oheimb und die Seiten von Solar2030.

12 Kommentare

  1. Charles Buettner

    Vielen Dank für Infos!
    Frage muss ich den den Shelly EM nicht auch so anschliesen wie den Shelly PLug S (O – L -N)
    Ich mwill den Shelly EM programmieren das er unter bestimmten Bedingungen den Stromkreis unterbricht. Bei L und N schaltet er den Stromkreis nicht ab.

    Der Hintergrund
    Nachteinspeisung Grundlast Kühlschrank.
    Mit 2 Shelly PLUG S funktioniert das einwandfrei.
    Der Wechselrichte speist nur ins Netz wenn der Kühlschrank auch strom verbraucht.

    Antworten
    1. Helmut (Beitrag Autor)

      Der EM ist nicht dafür vorgesehen, Lasten zu schalten, der hat zwar einen Kontakt, über den sollte man allerdings nur ein Schütz schalten. Zum Schalten eines BKWs wäre ein Plus 1PM besser geeignet. Oder eben ein Schütz zum EM.

      Antworten
      1. Charles Buettner

        Vielen Dank!
        Also dann benutze ich zuerst den Plus 1 PM zum schalten und den EM mit Strommrichtungsklemme zur Stromrichtungsanzeige?

        Antworten
  2. Werner Latzel

    Ein Anbieter hat behauptet, der HM-600 ließe sich auf 800W hochrüsten, stimmt das?
    Oder sind etwa die HM-600/700/800 alle baugleich und werden nur über die Firmware begrenzt?
    Mit freundlichen Grüßen
    Werner Latzel

    Antworten
    1. Helmut (Beitrag Autor)

      Hab ich noch nie gehört.

      Antworten
  3. Johannes Landis

    Hallo Helmut
    Entschuldigung, mein angegebener Wert von 2 KW/Einspeisung eines BK war nicht richtig, da haben Sie recht.
    Ich möchte die Frage nochmal anders formulieren.
    (dient nur dem Verständnis, angenommene Werte gerechnet auf 1Std)
    – L1 ist kein Gerät angeschlossen ,also kein Verbrauch.
    – L2/L3 sind Geräte angeschlossen und haben je 100WAtt/Std.
    Leistungsverbrauch über 1Std, also zusammen 200w in 1Std…..
    -BK ist an L1 angeschlossen und liefert 300Watt/Std. über 1Std. d.h. nach 1Std. zeigt mir der Zähler unterm Strich keinen Leistungsverbrauch an, außerdem werden 100W ins Netz zurückgespeist Denkfehler oder richtig?
    mfg Landis

    Antworten
    1. Helmut (Beitrag Autor)

      Wenn zu einem bestimmten Zeitpunkt das BKW auf L1 300W Leistung ins Hausnetz einspeist und gleichzeitig auf L2 100W verbraucht werden und auf L3 ebenfalls 100W verbraucht werden, dann saldiert das der Zähler so, als würde der Überschuss von 100W ins öffentliche Netz eingespeist. (Physikalisch werden 300W eingespeist und gleichzeitig 200W bezogen.)
      Wenn dieser Zustand eine Stunde lang exakt so bestehen bleibt, dann steht danach ein Zweiwegezähler auf der Einspeiseseite um 0,1kWh höher und auf der Bezugsseite unverändert. Ein reiner Bezugszähler mit Rücklaufsperre zeigt unverändert an und ein Bezugszähler ohne Rücklaufsperre zeigt 0,1kWh weniger.

      Antworten
  4. Johannes Landis

    jetzt habe ich es verstanden danke nochmal für die Erklärung
    mfg

    Antworten
  5. Holger

    Kann man zwei Balkonkraftwerke betreiben? Jedes an einer anderen Phase.

    Antworten
    1. Helmut (Beitrag Autor)

      Ja, wenn die Summe der Wechselrichterleistungen 800W nicht überschreitet.

      Antworten
      1. Holger

        Danke für die Antwort,

        Bezieht sich die Antwort auf das Rechtliche oder das technisch mögliche?

        Holger

        Antworten
  6. Unser Balkon Kraftwerk Team

    Spannender Artikel! Besonders die detaillierten Erklärungen zur Verschaltung der Module haben mir sehr geholfen. Vielen Dank fürs Teilen!

    Antworten

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