EU Cookie Richtlinie – Google sorgt für Aufruhr

EU Cookie RichtlinieDas kennen wir ja alle bereits vom Browsen im Internet, da wollen Websites (oft englischsprachige) eine Zustimmung von uns zur Verwendung von Cookies. Da kann man ja klicken oder auch nicht, einen Unterschied scheint das nicht zu machen. In Deutschland war das aber bisher eigentlich kein Thema, um das sich Webmaster wirklich Gedanken gemacht haben. Bis gestern! Denn nun hat Google alle AdSense-Kunden angeschrieben, das diese doch bitte die EU Cookie Richtlinie bis zum 30. September 2015 umzusetzen hätten.

Dabei ist diese EU Richtlinie noch nicht mal in deutsches Recht umgesetzt, was Google allerdings wenig beeindruckt. Denn auch die EU scheint der Meinung zu sein, dass diese bereits 2009 erlassene EU-Richtlinie 2009/136/EG (die E-Privacy-Richtlinie) gültiges Recht wäre. Also wiedermal komplette Rechtsunsicherheit, was allerdings den Nutzern von AdSense nicht weiterhilft, da der Druck nun von Google kommt. Und sicherlich will kein Webmaster riskieren, aus dem AdSense-Programm zu fliegen. So ist also anzunehmen, dass sich bis zum Termin am 30. September ein geschäftiges Treiben entwickeln wird, da alle Webseiten umgebaut werden müssen, um die Anforderungen der Richtlinie zu erfüllen.

Worum geht es eigentlich?

Mail von GoogleGoogle erwartet von den Nutzern des AdSense-Programms die Umsetzung der „Richtlinie zur Einwilligung der Nutzer in der EU„, wie Google das nennt. Das bedeutet zwei Punkte:

Websitebetreiber, die AdSense nutzen (Publisher genannt) müssen

  • wirtschaftlich vertretbare Maßnahmen ergreifen, damit jegliche Datenerfassung, -weitergabe und -nutzung klar offengelegt wird, die auf Websites, in Apps, E-Mails oder anderen Inhalten infolge Ihrer Verwendung von Google-Produkten erfolgt, und müssen eine entsprechende Einwilligung einholen. 
  • wirtschaftlich angemessene Maßnahmen ergreifen, um sicherzustellen, dass ein Endnutzer verständliche und umfassende Informationen zur Speicherung von und zum Zugriff auf Cookies und Daten auf dem Gerät des Endnutzers erhält und diesen Aktivitäten zustimmt, wenn derartige Aktivitäten im Zusammenhang mit der Verwendung eines Produkts erfolgen, für das diese Richtlinie gilt.

Das ist der Google Wortlaut und der klingt ja erst mal ziemlich abstrakt. Um dem abzuhelfen hat Google für Leute, die sich nicht sicher sind, wie sie diese Anforderungen umsetzen sollen – also für uns alle – eine extra Website geschaffen, nämlich cookiechoices.org. Hier werden die beiden Punkte ein wenig klarer. Einmal muss ein Websitebetreiber seine Besucher darüber informieren, wie Cookies (und ähnliche Mechanismen) verwendet werden. Das ist erst erstmal nichts neues, dann dafür haben wir ja seit Jahren unsere Datenschutzrichtlinie, die unter anderem genau darüber informiert. Die EU Richtlinie geht aber einen Schritt weiter und verlangt, dass vom Besucher der Website eine Zustimmung zur Verwendung von Cookies eingeholt werden muss, bevor Cookies auf dessen Rechner gesetzt werden dürfen (Opt-In Verfahren).

Und spätestens hier ist klar, dass jede Webseite (so sie denn AdSense oder ein anderes Google Produkt wie etwa Google Analytics verwendet) angepackt und verändert werden muss. Und nicht nur das, es muss Programmcode eingefügt werden, der diese Abfrage vornimmt. Bisher relativ statische Seiten müssen durch so eine Programmierung aufgepeppt werden, was manchen Websitebetreiber an den Rand seiner Möglichkeiten bringen dürfte.

Lösungen?

Wie stellt sich Google eine Lösung vor? In etwa so: Der Besucher einer Website bekommt zuerst einen Hinweis eingeblendet wie folgt:

Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren, Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Außerdem geben wir Informationen zu Ihrer Nutzung unserer Website an unsere Partner für soziale Medien, Werbung und Analysen weiter. Details ansehen.

Die Worte „Details ansehen“ verlinken dabei auf ein ausführliches Dokument, das den Besucher über die Verwendung aller Cookies aufklärt. Auf die Datenschutzerklärung zum Beispiel. Dazu gibt es dann einen Button, mit dem der Besucher seine Zustimmung erklären kann. Für IOS und Android bietet Google auf cookiechoices.org auch entsprechende Programmfragmente an. Lustigerweise – und jetzt wird das ganze leicht surreal – hatte Google in 2014 bereits auch einmal eine JavaScript-Datei angeboten, die das für Webseiten erledigen soll. (Unter https://www.cookiechoices.org/cookiechoices.zip kann die auch immer noch abgerufen werden.) Allerdings wird dieses Tool auf der Webseite cookiechoices.org überhaupt nicht mehr erwähnt. Sollte Google das eigene JavaScript-Tool selbst für nicht mehr ganz richtlinienkonform halten? Statt dessen empfiehlt Google nun einige Tools von Drittanbietern:

  1. Cookie Consent von Silktide
  2. Cookie Control von CIVIC
  3. The Cookie Collective von Governor Technology
  4. Cookiebot von Cybot
  5. Cookie Consent Kit der Europäischen Kommission

Die ersten beiden habe ich selbst getestet – siehe entspr. Links, Nummer 3 und 4 sind kostenpflichtige Tools und Nummer 5 ist nur für EU-Institutionen unter Europa.eu gedacht.

Handlungsalternativen

Von ignorieren über Besucher informieren bis zu Richtlinie umsetzen hat man bis gestern alles mögliche im Internet zu diesem Thema gefunden. Den meisten Webseitenbetreibern (mir auch) war diese EU Cookie Richtlinie allerdings völlig unbekannt. Google bringt nun Dynamik in das Thema und für diejenigen, die weiter mit AdSense Geld verdienen wollen, gibt es nun nur noch die Alternative die Richtlinie umzusetzen und die Abfrage einzubauen.

Was technisch die geschickteste Lösung dafür ist, das muss sich erst noch zeigen. Mehr zu den Handlungsalternativen für Webmaster.

 


Weitere Artikel in dieser Kategorie:

2 Kommentare

  1. Pingback: Tutorial zum Einbau der EU-Richtlinie zur Cookie Zustimmung - Die Ideenlounge

  2. Mirjam

    Hallo,
    toller und verständlicher Artikel zu diesem undurchsichtigen Thema. Mir ist aufgefallen, dass die von Google vorgestellten Lösungswege mit einer Ausnahmen kostenpflichtige Lösungen anbieten – zwar hat jeder Anbieter auch eine kostenfreie Version, die allerdings sehr abgespeckt ist.
    Vermutlich haben viele User fleißig diverse Scripte gebucht… Ein Schelm, wer böses dabei denkt ….
    Viele Grüße

    Mirjam

Schreiben Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.