Raspberry Pi für die Wissenschaft – Teil 7: Der einfache Weg zu BOINC und SETI@Home

Raspberry Pi für die WissenschaftDie gute Nachricht kam am 8. April 2016 und sie lautete: „SETI@home 8 released for Raspberry Pi.“ Und das bedeutet nichts anderes, als dass das BOINC Projekt SETI@Home den Raspberry Pi als Hardwareplattform nun voll und ganz unterstützt. Damit gehört das aufwendige Verfahren, die SETI@Home Applikation selbst aus dem Quellcode zu kompilieren, wie ich es in einem früheren Artikel beschrieben habe, nun der Vergangenheit an. Uns so wird es auch für Linuxanfänger sehr leicht, SETI@Home auf einem Raspberry Pi zu installieren. Dieser Artikel zeigt Schritt für Schritt, wie es gemacht wird.

Die nachfolgende Anleitung kann natürlich unabhängig von SETI@Home, generell verwendet werden, um auf einem Raspberry Pi den BOINC Client zu installieren. Danach können auch andere BOINC Projekte, wie Asteroids@Home oder Collatz Conjecture aktiviert werden. Ein Raspberry Pi 2 (oder 3) wird durch seine 4 Prozessorkerne immer bis zu 4 Tasks gleichzeitig ausführen, egal ob vom selben oder von unterschiedlichen Projekten.

Voraussetzungen

Wer mit den Themen BOINC und BOINC Projekte noch nicht vertraut ist, dem empfehle ich zuerst meinen Grundlagenartikel zu diesem Komplex. Und dann brauchen wir natürlich einen Raspberry Pi 2 (oder 3) mit einer Raspbian Jessie Lite Grundeinrichtung.

Installation

Wir kontaktieren unseren Raspberry Pi von einem anderen Rechner aus per SSH. Alle weiteren Aktionen erfolgen dann per ebenfalls Komandozeile im SSH-Terminalfenster:

ssh pi@raspberrypi

Zuallererst aktualisieren wir die Paketquellen:

sudo apt-get update

Dann wird der BOINC Client aus den Paketquellen installiert:

sudo apt-get install boinc-client

Anfragen, ob fortgefahren werden soll, bestätigen wir dabei mit Enter. Und das war es auch schon, BOINC ist installiert.

 

Micro-SD-Slot am RaspberryDie Installation von SETI@Home erledigt der BOINC Client automatisch, sobald wir SETI@Home als neues Projekt hinzufügen. Das können wir gleich auf der Commandline mittels boinccmd erledigen:

boinccmd --project_attach http://setiathome.berkeley.edu 3401e51d2605819038bbd34fb252535a

Das Kommando erwartet an letzter Stelle die Eingabe eines Account Keys. Das ist die kryptische Buchstaben-Zahlen-Kombination. Den Account Key hat man nur, wenn man sich bereits vorher bei SETI@Home angemeldet hatte. Wenn das nicht der Fall ist, so lässt sich die Anmeldung ebenfalls per boinccmd erledigen:

boinccmd --create_account http://setiathome.berkeley.edu [Email-Adresse] [Passwort] [Username]

Die letzten drei Parameter können frei gewählt werden. Der Rückgabewert ist dann besagter Account Key, den wir für den project-attach verwenden. Um zu überprüfen, was BOINC danach macht, können wir uns das BOINC Logfile ansehen mit:

cat /var/lib/boinc-client/stdoutdae.txt

Hier werden wir beobachten, wie BOINC in den nächsten Minuten diverse Dateien der SETI@Home 8 Applikation und erste Arbeitspakete herunterlädt und dann die Verarbeitung der ersten 4 Tasks beginnt. Die Tasks wiederum sehen wir mit:

boinccmd --get_tasks

Und das war es schon. Wer das frühere Installationsverfahren für SET@Home, mit dem Download des Quellcodes und anschließendem Kompilieren, selbst durchgeführt hat, der sieht, dass es nun wesentlich einfacher geworden ist, SETI@Home auf den Raspberry Pi zu bringen.

Wie gehts weiter

Als nächste Schritte bieten sich folgende an:

 


Weitere Artikel in dieser Kategorie:

14 Kommentare

  1. Tobias

    Guten Tag,

    Ich habe die Anleitung Befolgt doch Scheinbar rechnet der Pi nicht. Die Fernwartung gibt auch nur „no Connection“ an. Was skan ich tuen damit der Pi rechnet?

  2. Tobias

    Guten Tag,

    Entschuldigung ersteinmal für meinen ersten Kommentar,Ich habe ihn versehentlich zu früh abgesended,er kann gelöscht werden.

    Ich habe nach ihrem Tuturial Boinc Instaliert nur leider gibt das Pogramm nach der eingabe dieses Befehls(mit meinem Account Key):

    boinccmd –project_attach http://setiathome.berkeley.edu 3401e51d2605819038bbd34fb252535a

    Folgenden Fehler aus: Operation failed: Error -1
    Ich weiß jetzt nicht was ich tuen kann um das Problem zu lösen, Ich werde morgen auf jeden fall mal Rasspian neu,und Boinc instalieren. Falls das selbe Problem dann immernoch besteht Melde Ich mich nocheinmal.

    Eine Frage noch: Kann man irgendwie sehen welche Projekte auf dem PI laufen und welche nicht?

    LG Tobias

  3. Helmut (Beitrag Autor)

    Schau am besten mal ins Logfile, ob da mehr informationen stehen.
    cat /var/lib/boinc-client/stdoutdae.txt
    Wenn es darum geht zu sehen, welche Projekte auf dem Raspi laufen, versuchst Du: boinccmd --get_tasks
    Oder du verwendest den Boinc Manager oder BoincView.

  4. Tobias

    So ich habe jetzt Rasspian neu Aufgesetzt und Boinc neu Instaliert. Wenn Ich jetzt SETI@home hinzufüge kommt folgender fehler:

    [SETI@home] Invalid or missing account key. To fix, remove and add this project .

  5. Helmut (Beitrag Autor)

    Vorher hast Du Dich bei Seti@home registriert und einen Account-Key bekommen?
    Wenn es auf der Commandlineebene nicht funktioniert, würde ich auf einer Windowsmaschine den Boinc-Manager installieren und den RasPi damit verbinden. Dann kannst du über eine grafische Umgebung Projekte hinzufügen. Falls Seti Probleme macht, dann probier einfach testweise ein anderes BOINC-Projekt.

  6. Markus

    Hi Helmut,

    super Artikel. Ich möchte jedoch noch weiter gehen und mehrere Raspberrys versuchen in einem Rig laufen zu lassen, um die Leistung zu erhöhen. Hast du damit Erfahrung oder kennst du andere Seiten?

  7. Helmut (Beitrag Autor)

    Dazu brauchst Du nur mehrere RasPis mit Boinc aufsetzen. Die Aufgabenverteilung macht Boinc dann von alleine. Ich habe zur Zeit einen Raspberry Pi 2 und einen Windowsrechner laufen.

  8. Edd

    Hallo, toller Artikel! Ich will BOINC auf eien Pi2 auslagern um den Desktop-PC zu „Entlasten“. Wie immer funktioniert es mit LINUX leider nicht wie erhofft bzew. in den zahlreichen Artikeln beschrieben. Wie bei jedem LINUX Projekt hänge ich mal wieder.
    Es hapert an: cat: /var/lib/boinc-client/stdoutdae.txt: No such file or directory
    Als nur gelegedlicher LINUX Bastler stehe ich da wieder an und werde nach Stundenlangem Probieren und suchen im www wohl die Flinte ins Korn werfen …… oder kannst du mir helfen? DANKE!
    By the Way, es ist ja auch LINUX Typisch das es am SSH Zugriff scheitert ….. musst auch mal drauf kommen …… das ist auch der Grund wieso sich LINUX nicht durchsetzt.

  9. Helmut (Beitrag Autor)

    Der Linux-Kritik kann ich mich nicht anschließen. SSH funktioniert unter Linux einwandfrei. Wenn der genannte cat-Befehl „no such file or directory“ bringt, dann existiert die Datei nicht. Mögliche Ursachen: Boinc ist nicht gestartet oder eine neuere Boinc-Version (der Artikel ist zwei Jahre alt) schreibt die Datei woanders hin.

  10. Edd

    Hallo, DANKE für die Antwort. Ich bin halt LINUX Laie mit rudimentärsten Basics.
    Ich habe die Installation Punkt für Punkt lt. diesen tollen Seiten abgearbeitet, somit arbeite ich doch mit den aktuellsten Dateien,nicht? Hätte gemeint anhand dieser Angeben hier wird es laufen, aber offensichtlich gibt es Secrets die hier doch nicht stehen und ich das somit nicht zum laufen bringen. Naja …. DANKE trotzdem.

  11. Helmut (Beitrag Autor)

    Wie gesagt, der Artikel ist zwei Jahre alt. In der Zeit hat sich Boinc und Raspbian sicher weiter entwickelt und die aktuellen Softwaren können sich heute anders verhalten, als vor zwei Jahren.

  12. J

    Hallo Helmut, vielen Dank für deine Anleitung, sie hat mir sehr geholfen! Hast du auch noch einen Tipp, wie man aus dem Rsapberry Pi mit BOINC noch mehr Leistung heraus bekommt, ohne die Hardware zu riskieren? Vielen Dank!

  13. Helmut (Beitrag Autor)

    Wenn Dein Pi alle CPU-Kerne für Boinc benutzt (Kontrolle mit „top“), dann dürfte er wirklich gut ausgelastet sein. Du kannst es natürlich mit Tuning probieren um noch ein wenig mehr herauszukitzeln. Schau mal diese beiden Artikel von mir an, die beziehen sich allerdings auf einen RasPi2:
    https://blog.helmutkarger.de/raspberry-media-center-teil-17-uebertakten/
    https://blog.helmutkarger.de/raspberry-media-center-teil-18-cpu-kuehlung/

  14. Rene

    Hallo und vielen Dank für die Anleitung. Ich habe im Moment 3 Raspberry damit installiert und habe festgestellt, dass selbst ein Raspberry 1 auch funktioniert. Der Task dauert dort allerdings durchschnittlicg 5 Tage, aber bevor er im Schrank verstaubt. Wie sagt man? Kleinvieh macht auch Mist😉😉

Schreiben Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.