Eichhörnchen & Co. – Am Futterplatz

Braunes HörnchenEin Eichhörnchen-Futterplatz in einem Münchner Gartenstadtviertel – tierfreundlich gelegen zwischen Englischem Garten, Nordfriedhof und Nymphenburg-Biedersteiner-Kanal. Da kommen natürlich nicht nur Eichhörnchen, sondern auch andere Stadttiere. Die Eichhörnchen waren übrigens schon da, noch bevor Kameras zur Beobachtung aufgestellt waren. Die haben in der Vergangenheit schon die Stangen über der Dachterrasse als Oachkatzl-Autobahn genutzt um von der Straßenseite zum Garten zu gelangen, ohne ein Pfötchen auf den Boden zu setzen. Und sie haben sich auch bereitwillig mit Nüssen anlocken lassen, so bis auf einen Meter Distanz zum Menschen. So war es nicht schwer, die Hörnchen per Futterangebot vor die Kamera(s) zu locken.

Im Blog ging es bisher eineinhalb Jahre lang nur um die technischen Belange einer Wildtierkamera auf Raspberry Pi Basis zur Eichhörnchen-Beobachtung auf der Dachterrasse. Die dabei entstandenen Videos gibt es gesammelt bei Youtube. In diesem Artikel (und in den folgenden) geht es nicht um die Technik, sondern um die Tiere selbst und um die Frage: Welche Tiere kommen und was fressen die?

Welche Tiere kommen?

Wir befinden uns in zweiten Stock, damit scheiden Igel, Schildkröten und andere Bodentiere schon mal aus. Es geht nur um gute Baumkletterer und um Vögel.

Eichhörnchen

Rotes EichhörnchenDas Münchner Oachkatzl gibt es in einer dunkelbraunen und einer roten Farbvariante, wobei das aber die selbe Art ist. Die Hörnchen sind täglich (mehrfach) am Futterplatz zu sehen und zwar das ganze Jahr über, denn sie machen keinen Winterschlaf. Am aktivsten sind sie in den frühen Morgen- und Vormittagsstunden, aber nachts wird geschlafen, das europäische Eichhörnchen ist rein tagaktiv. Und es ist ein Einzelgänger – mehrere Hörnchen gleichzeitig am Futterplatz, das kommt niemals vor, das dominantere Eichhörnchen würde das andere sofort verjagen, was gelegentlich auf den Videos der Oachkatzl-Cam zu sehen ist. Die Eichhörnchen sind auch sehr schwer von einander zu unterscheiden, wenn man von Rot und Braun einmal absieht. Deshalb ist es schwer zu sagen, wie viele Individuen den Futterplatz besuchen. Das Maximum gleichzeitig gesichteter Hörnchen auf der Stange und in den umliegenden Bäumen war bisher vier, ein rotes und drei dunkle. Ich vermute, dass die Eichhörnchen relativ standorttreu sind, also dass es immer die selben drei oder vier Individuen sind, die zum Futterplatz kommen. Dabei ist es eher ein individuelles Verhalten, das ich glaube wieder zu erkennen und weniger die äußere Erscheinung.

Rabenkrähe

RabenkräheNummer zwei am Futterplatz ist eindeutig die Krähe. Rabenkrähen kommen ebenfalls ganzjährig, aber nicht täglich sondern eher alle paar Tage im Schnitt, wobei die Frequenz stark variiert. Krähen sind nicht auf den Morgen fixiert, die kommen den ganzen Tag über. Obwohl es im benachbarten Nordfriedhof Unmengen von Rabenkrähen gibt, vermute ich doch, dass nur wenige davon zum Futterplatz kommen. Äußerlich unterscheiden lassen sich die genauso wenig, wie die Hörnchen, aber im Verhalten sind Krähen ziemlich individuell, gerade wenn sie es gelernt haben eine Aufgabe zu bewältigen. Auch die Krähe ist am Futterplatz nicht gesellig und Krähen und Eichhörnchen gehen sich aus dem Weg.

Buntspecht

BuntspechtDass wir in der Gegend Buntspechte haben, war mir bekannt, die klopfen hier nicht nur auf Baumstämme sondern auch gerne auf Antennenmasten ein, was bemerkenswerte Geräusche macht. Aber dass sich der Buntspecht für ein Nussangebot begeistern kann, das war die Überraschung des letzten Sommers. Im Sommer war er häufig an der Futterstation vertreten, oft auch paarweise, wobei der Partner meistens im benachbarten Baum zu sehen war. Im Winter ist allerdings noch kein Buntspecht erschienen.

Andere Tiere

ElsternAmselEichelhäherKohlmeise

Und dann gibt es da noch ein paar andere Vögel, die sich wohl eher an den Futterplatz verirrt haben, als dass sie wirklich Interesse an einer Nuss hätten. Das sind – entsprechend zu den Bildern oben: Elstern (natürlich paarweise), Amseln, Eichelhäher und Kohlmeisen. Die sieht man zwar oft in den Bäumen oder im Garten, aber nur sehr selten am Futterschälchen. Allerdings muss ich dazu sagen, dass ich auch nicht direkt Vogelfutter ausgelegt habe und die Vögel in der Nachbarschaft vermutlich bessere Quellen kennen.

Was fressen die Tiere?

NussauswahlJa Nüsse natürlich, aber ich habe mal ein etwas breiteres Angebot vorbereitet, um zu sehen, wer welche Leckerbissen bevorzugt. Von links oben beginnend sind das:

  • Walnuss
  • Pekannuss
  • Haselnüsse
  • Kastanie
  • Eichel
  • Cashewkern
  • Mandelkern
  • Bucheckern
  • Kürbiskerne (Hokkaido)

Eichhörnchen

verschmähen Kastanien, Eicheln und Bucheckern, vermutlich finden sie genug davon im Englischen Garten. Was die Nüsse angeht, werden die geschälten natürlich bevorzugt. Nüsse mit Schale werden gerne als Vorrat im Garten vergraben, oder zum Öffnen mit in den Baum genommen. Direkt am Futterplatz verspeisen die Hörnchen hauptsächlich geschälte Kerne. Manchmal nagen sie dort auch eine Haselnuss auf und fressen sie gleich, bei Walnüssen passiert das äußerst selten. Kürbiskerne gehen bei den Hörnchen nur, wenn nichts anderes mehr da ist.

Rabenkrähen

bevorzugen natürlich geschälte Nüsse und sind dabei ganz wild auf Cashewkerne. Die sind besonders weich, lassen sich gut mit der Kralle an der Stange festklemmen und davon abbeißen. Krähen fressen gerne am Futterplatz und beobachten dabei aufmerksam die Umgebung. Bevor sie abfliegen stopfen sie sich noch den Schnabel voll, mit allem, was rein geht. Kastanien, Eicheln und Bucheckern, ebenso wie Kürbiskerne sind bei den Krähen nicht beliebt. Nüsse mit Schale werden aber durchaus gerne genommen. Die Walnüsse bekommen sie ja wohl auf, in dem sie sie im Flug auf die Straße fallen lassen, wie das aber bei Haselnüssen geht, ist mir unklar.

Buntspechte

waren ursprünglich als Testkandidaten nicht eingeplant und haben nicht die volle Bandbreite der Nussauswahl angeboten bekommen. Geschälte Nusskerne mögen sie sehr (hier speziell Walnusskerne) und sind auch bereit, sich ein wenig anzustrengen um an sie heran zu kommen. Und Buntspechte mögen auch Kürbiskerne, sie sie sehr geschickt von den Schalen befreien.

 


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