Lichtzelt – selbst gebaut

Was ist eigentlich ein Lichtzelt? Für einen Esoteriker vielleicht etwas in das er sich hineinsetzt um Erleuchtung zu erlangen. 😉 Für einen Fotografen ist ein Lichtzelt allerdings ein Mini-Fotostudio für die Produktfotografie. Durch die Lichtstreuung an der Zeltwand wird das Objekt im Inneren diffus und schattenarm ausgeleuchtet, so dass gute Bilder entstehen. Für Ebay-Verkäufe oder für die Bebilderung von Internetseiten werden immer mal wieder Fotos von Gegenständen gebraucht, so dass ich hier eine Eigenbauanleitung für ein Lichtzelt vorstelle.

Lichtzelte kann man natürlich auch für überschaubares Geld kaufen, den unten stehenden Lichtwürfel zum Beispiel, der sich praktisch zusammenfalten lässt. Aber wer ein Lichtzelt nicht ständig braucht, der ist mit  einer einfachen Selbstbaulösung auch gut bedient.

Im Internet gibt es ja viele Bauanleitungen für Lichtzelte. Viele verwenden einen Pappkarton, legen die Öffnung nach vorne, schneiden links, rechts und oben große Fenster hinein und bekleben diese mit Pergamentpapier. Funktioniert sicherlich ganz gut. Meine Version sieht ein bisschen anders aus.

Zeltaufbau

Wie im Video zu sehen ist, stecke ich aus einigen Metallstangen und Plastikverbindern einen Kubusrahmen zusammen. Das Material stammt von einem ausrangierten Faltkleiderschrank, der bei uns im Keller nicht mehr benötigt wurde und den ich rechtzeitig vor einem schmählichen Ende im Wertstoffhof bewahren konnte. Mit einigen Teilen davon lässt sich ein Rahmen mit den Abmessungen von etwa 70x65x49cm zusammenstecken. Das soll aber lediglich als Beispiel dienen. An sich ist jegliches Gestänge geeignet, über das sich ein Betttuch oder Gardinenstoff als Zelthaut hängen lässt. Ein umgelegter Wäscheständer zum Beispiel oder der genial gut geeignete zusammenklappbare Wäschesack, der bereits werksseitig aus weißem Stoff besteht und preislich kaum zu schlagen ist.

Die Haut des Lichtzeltes sollte aus weißem Stoff bestehen, der nicht so dick ist, dass er kaum noch Licht durchlässt aber auch nicht so dünn, dass er keinen Streuungseffekt mehr hat. Im einfachsten Fall tut es ein ausrangiertes Betttuch, oder ein Gardinenstoff ohne Muster, der sich auch doppelt nehmen lässt, wenn er zu dünn ist.

Innenausstattung

Wichtigster (und einziger) Einrichtungsgegenstand des Lichtzeltes ist die sogenannte Hohlkehle. Das ist der Bildhintergrund, auf dem das zu fotografierende Objekt platziert wird. Wichtig ist dabei, dass sich die Hohlkehle hinter dem Objekt in einem Bogen nach oben wölbt, damit auf dem Foto keine Kanten sichtbar sind und das Objekt quasi vor einem weißen Hintergrund schwebt. Ich verwende als Hohlkehle einen weißen Bogen Fotokarton 50x70cm 300g/m², den es für einen Euro und ein bisserl was im Schreibwarenladen zu kaufen gibt. Um die Hohlkehle am etwas breiteren Rahmen zu befestigen, spanne ich ein Stück Hosengummi zwischen die Stäbe und klammere den Kartonbogen mit zwei  Wäscheklammern fest. Die gewünschte Höhe kann ich denn durch Verschieben des Gummis justieren.

Beleuchtung

An Lampen kann erst mal alles Verwendung finden, was der Haushalt so hergibt. Wichtig ist nur, dass Lampen mit einheitlicher Lichtfarbe verwendet werden, das ich wichtig für den Weißabgleich beim fotografieren. Ich verwende für die Beleuchtung von oben einen Lampenständer mit fünf kleinen Glühbirnen. Im Video ist davon nur der Ständer hinter dem Lichtzelt zu sehen. Und für die Ausleuchtung von links und rechts kommen zwei Lampenständer mit Schwanenhals zum Einsatz. Die lassen sich am Boden frei verschieben und in Höhe und Richtung am Schwanenhals verbiegen.

Meine Lampenfassungen lassen sich jeweils bis zu 40W bestücken, ich verwende aber keine Glühbirnen sondern 15W LEDs, so bleiben die Fassungen angenehm kühl und die Lichtausbeute entspricht bei 1350lm in etwa einer Glühbirne mit 90W(!). Die LEDs haben dabei eine Farbtemperatur von 2700K, was dem Licht einer Glühbirne entspricht. So macht es nichts aus, dass ich hier Glühlampen und LEDs für die Lichtzeltbeleuchtung mische.

Unterschied mit und ohne Lichtzelt

Was bringt jetzt ein Lichtzelt? Abgesehen von dem einheitlichen Hintergrund durch die Hohlkehle, sorgt das Lichtzelt durch die diffuse Lichtstreuung für weniger Spiegelungen auf dem Objekt und für weniger und weichere Schatten. Auf folgenden Bildern wurde links eine Aufnahme im Lichtzelt gemacht und recht die gleiche Situation fotografiert, aber mit herunter genommener Stoffbahn bei gleicher Beleuchtung. Durch das hellere Licht konnte ich die Belichtungszeit geringfügig verkürzen und beide Bilder wurden danach am PC im Weißton abgeglichen. Man erkennt deutlich den stärkeren und härteren Schattenwurf am rechten Bild und die deutlicheren Lichtspiegelungen. (Die Bilder lassen sich durch Mausklick vergrößern.)

Mit Lichtzelt

Aufnahme mit Lichtzelt

Ohne Lichtzelt

Aufnahme ohne Lichtzelt

Zum Thema Fotografieren und Bildbearbeitung empfehle ich zwei Blogartikel von Krysten Leighty, die bei RemoveTheBackground erschienen sind. Hier die Links auf die deutschen Fassungen:

Nachfolgend werde ich aber zusätzlich meine eigenen Erfahrungen schildern.

Gegenstände im Lichtzelt fotografieren

Die Kamera stelle ich auf die maximale Bildauflösung ein und unterdrücke die automatische Blitzauslösung. Dann kommen folgende Schritte:

Weißabgleich

Ich beleuchte mit Glühbirnen, bzw. mir LEDs, die die Farbtemperatur von Glühlampen haben. Das gibt den Bildern erst mal einen ordentlichen gelblichen Stich, was dann später im Bildbearbeitungsprogramm korrigiert werden müsste. Besser ist es daher, gleich an der Kamera einen manuellen Weißabgleich durchzuführen. Meine Knipse (Fujifilm Finepix F550EXR) bietet dazu zwei Möglichkeiten. In den Einstellungen kann ich unter Weißabgleich direkt den Punkt Glühlampe auswählen oder manuell einen weißen Bereich (also die Hohlkehle) anvisieren und den Auslöser drücken.

Raw-Format oder JPEG?

Krysten Leighty empfiehlt in ihrem Blogartikel, die Kamera so einzustellen, dass im Raw-Format gespeichert wird. Dann hat man am PC vielfältige Möglichkeiten der Nachbearbeitung, wie Belichtung, Sättigung, Farbton und -temperatur. Ich muss allerdings gestehen, dass ich am Raw-Editor nicht so geschickt bin, dass ich ein besseres Ergebnis erzielen könnte, als die Kamera selbst. Deshalb spare ich mir diesen Schritt und speichere gleich im JPEG-Format.

Manuelle Belichtungseinstellung und Stativ

Den Tipp mit der manuellen Blenden- und Belichtungseinstellung (Stellung M an der Kamera) hab ich ebenfalls von Krysten Leighty übernommen und dabei ganz neue Eigenschaften meiner Knipse entdeckt, mit der ich früher ausschließlich im Automatikmodus fotografiert hatte.

Die Stärke der Glühlampen wird nachrangig, wenn man die Möglichkeit einer längeren Belichtungszeit hat. Dazu braucht es dann schnell ein Stativ um bei Zeiten > 1/30s nicht zu verwackeln. Und auf die Automatik sollte man auch nicht vertrauen. Also montiere ich die Knipse auf mein kleines Dreibein und stell sie vor dem Lichtzelt auf. Wenn der Abstand zum Objekt zu groß ist, dann hilft der Zoom. Die Blende stelle ich möglichst klein (große Zahl) um einen möglichst großen Bereich zu erhalten der scharf abgebildet wird. Die Belichtungszeit justiere ich dann so, dass der eingeblendete Belichtungsmesser im mittleren Bereich anzeigt, also weder über- noch unterbelichtet. Hier kann man gut mal mit einer Stufe rauf oder runter experimentieren.

Um beim Auslösen nicht zu verwackeln – so stabil steht dieses kleine flexible Dreibein auch nicht – verwende ich eine Auslöseverzögerung von zwei Sekunden (sonst als Selbstauslöser  für Selfies in Gebrauch). Dadurch hab ich die Finger beim Schuss sicher weg von der Kamera.

Bildbearbeitung am PC

Das Programm der Wahl für die Bildbearbeitung ist sicherlich Photoshop, ich selber verwende lieber die freie Alternative The GIMP.

Farbe, Helligkeit und Kontrast

Wer im Raw-Format gespeichert hat, der kann viel dieser Aufgaben bereits im Raw-Editor erledigen. The GIMP kann das RAF-Format, das meine Kamera schreibt, nicht öffnen, unter Linux hab ich jedoch das Programm Shotwell gefunden, mit dem Raw-Dateien nachjustiert werden können. Oft wird mit der Kamera auf CD ein passendes Programm zur Bearbeitung von Raw-Dateien mitgeliefert. Trotzdem kann eine weitere Nachbearbeitung notwendig sein.

Wenn es um die Verbesserung des Bildes geht, dann konzentriere ich mich auschließlich auf das Objekt und versuche nicht den Gegenstand und den Hintergrund in Einklang zu bringen. Der Hintergrund wird danach eh ausgeschnitten und verworfen. The GIMP bietet unter anderem die Werkzeuge „Farbwerte anpassen“ und „Farbkurven korrigieren“, mit denen sich schön Helligkeit, Kontrast und mögliche Farbabweichungen verbessern lassen.

Freistellen und künstlicher Hintergrund

Das Objekt vor der weißen Hohlkehle mag schon ein recht gutes Bild abgeben, bei der Farbkorrektur ist es aber nicht immer gut möglich den Hintergrund und den Gegenstand gleichzeitig optimal darzustellen, zum Beispiel bei einem schwarzen Gegenstand auf weißem Grund ist entweder der Hintergrund überbelichtet oder die Details des schwarzen Objekts treten nicht heraus. Eine Lösung ist es, wie oben beschrieben, die Helligkeit und Farbe auf das Objekt zu optimieren und den Hintergrund weg zuschneiden.

Das Ausstanzen des Bildhintergrunds nennt sich Freistellen. Dazu gibt es in allen Bildbearbeitungsprogrammen mehrere Werkzeuge, mit denen die Außenkontur des Objekts ermittelt werden kann. Mit Automatismen, wie dem Zauberstab oder einer Auswahl nach Farbton habe ich persönlich keine guten Erfahrungen gemacht. Deshalb verwende ich die „Magische Schere“, um die Außenumrisse des Objekts nachzuzeichen. Ist das erfolgt, invertiere ich die Auswahl, so dass der Hintergrund markiert ist, füge dem Bild (falls noch nicht vorhanden) einen Alphakanal hinzu um Transparenz zu ermöglichen und schneide mit der Entf-Taste den Hintergrund einfach aus.

Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder das Bild mit dem transparenten Hintergrund speichern. Das hat den Vorteil, dass beim Einfügen des Bildes zum Beispiel in eine Webseite, das Objekt vor dem Hintergrund der Webseite liegt und keine weiße Umrahmung mitbringt. Der Nachteil ist allerdings, dass dieses Bild nicht als JPEG-Datei gespeichert werden kann, da JPEG keine Transparenz unterstützt. PNG sei hier empfohlen, was aber wesentlich größere Dateien ergibt und dadurch längere Ladezeiten der Webseite.

Die andere Alternative ist das Hinzufügen eines künstlichen Hintergrunds. Das kann im einfachsten Fall eine weiße Farbe sein, die als Ebene unter das freigestellte Objekt gelegt wird, ein einfacher Farbverlauf oder etwas komplexeres wie eine künstliche Glasplatte mit Spiegelung des Objekts. Der Phantasie sind hier kaum Grenzen gesetzt.

Zuschneiden und Skalieren

Als nächstes wähle ich einen geeigneten Bildausschnitt, also typischerweise das Objekt mittig mit wenig umgebendem freien Rand. Dazu kann man die „rechteckige Auswahl“ auf ein festes Seitenverhältnis einstellen, zum Beispiel 4:3 oder 16:9. Dann bekommt der Auswahlrahmen, den man um das Objekt zieht gleich die richtige Form. Wenn der Auswahlrahmen richtig platziert ist, wird der überstehende Bereich einfach weggeschnitten.

Wenn eine ganze Bilderserie erstellt wird, dann ist es sinnvoll, alle Fotos auf die selbe Größe zu bringen. Auch um die Dateigröße im Rahmen zu halten, sollte das Bild auf eine vernünftige Größe herunter skaliert werden. Für diesen Blog verwende ich 1280×960 Pixel, das ist immer noch wesentlich kleiner als die Auflösung der Kamera, aber groß genug für eine fast seitenfüllende Darstellung.

Fertiges Bild speichern

Das wurde oben bereits erwähnt, für Bilder, die transparente Bereiche beinhalten, wähle ich PNG als Dateiformat, für alle anderen JPEG. Bei JPEG kann auch noch ein wenig an der Komprimierung gedreht werden, aber vorsichtig, denn die führt zwar zu deutlichen Dateiverkleinerungen, aber auch zu sichtbaren Verlusten. Bis herunter zu 70% dürften die aber kaum auffallen. Und selbstverständlich bekommen die Bilder jetzt einen aussagefähigen Dateinamen. Ich habe mir dabei angewöhnt, bei Dateien, die ins Internet kommen, im Dateinamen auf Großbuchstaben, Leerräume, Umlaute und andere Sonderzeichen generell zu verzichten. Dann macht es auch keine Probleme, wenn zwischen Windows und Linux gewechselt wird.

2 Kommentare

  1. Tom

    Hallo, der Wäschesack ist wohl nicht mehr verfügbar. Alternatv für 5,10 EUR: B00BHLSY9K
    Gruß
    T.

  2. Helmut (Beitrag Autor)

    Zumindest scheint er im Moment nicht lieferbar zu sein. Vielen Dank für den Hinweis, Tom. Ich hab die Produktnummer im Artikel geändert.

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